1. Weniger Programm, mehr Raum
Der klassische Wien-Guide listet 30 Sehenswürdigkeiten. Slow Travel wählt drei aus und lässt die anderen 27 los. Statt Schönbrunn und Belvedere und Stephansdom an einem Tag, bleibt man einen ganzen Nachmittag im Belvedere-Garten sitzen. Sieht die Rosen ein zweites Mal. Bemerkt, wie sich das Licht verändert. Slow Travel ist die Erlaubnis, weniger zu tun.
2. Zeit im Kaffeehaus verbringen
Das Wiener Kaffeehaus ist die perfekte Slow-Travel-Institution. Es wurde nie für schnellen Konsum gemacht. Wer eine Melange bestellt, hat damit das Recht erworben, so lange zu bleiben, wie er oder sie möchte. Zwei Stunden, drei Stunden, den ganzen Nachmittag. Niemand fragt, niemand mahnt. Diese Ruhe ist im 21. Jahrhundert selten geworden.
Wer die Regeln des Wiener Kaffeehauses noch nicht kennt, findet sie in unserem Guide zur Wiener Kaffeehaus-Etikette.
3. Ein Grätzl statt der ganzen Stadt
Wien besteht aus Grätzln, aus kleinen Nachbarschaften mit eigenem Charakter. Statt die Stadt in ihrer Gesamtheit abhaken zu wollen, nimmt Slow Travel sich ein Grätzl vor. Das Freihausviertel im 4. Bezirk zum Beispiel: rund um die Schleifmühlgasse, mit kleinen Galerien, Buchhandlungen, Weinbars, einem Naschmarkt in der Nähe und einem Generationencafé mitten drin. Man kann diesen Bezirk einen ganzen Tag lang durchwandern und immer noch etwas Neues entdecken.
4. Menschen begegnen, nicht nur Orten
Das Erinnernswerte an einer Reise sind selten die Sehenswürdigkeiten. Es sind die Menschen, die man kennengelernt hat. Slow Travel schafft dafür Raum. Ein Gespräch mit dem Standler am Naschmarkt, der einem erklärt, warum sein Käse besser ist. Ein Nachmittag im Weinlokal, in dem der Wirt zufällig Zeit hat. Ein Kaffee bei unseren Omas und Opas, die beim Servieren aus ihrem Leben erzählen.
Dieser Ansatz überschneidet sich stark mit dem, was heute Meaningful Travel genannt wird: reisen, das mehr hinterlässt als Fotos.
5. Wiederkommen, statt weiterziehen
Slow Travel bedeutet auch: an einen Ort zurückkehren. Nicht am ersten Tag alles sehen, sondern denselben Platz mehrfach besuchen. Am Mittwoch zum ersten Mal am Naschmarkt frühstücken, am Samstag wiederkommen und sehen, wie sich der Markt am Wochenende verändert. Denselben Kaffee in derselben Vollpension bestellen und feststellen, dass die Backoma sich an einen erinnert. Reisen ist dann weniger Konsum und mehr Beziehung.