Ein Tag im 4. Bezirk zu Fuß

Vom Karlsplatz durch den Naschmarkt bis ins Freihausviertel. Rund drei Kilometer, mehr Grätzel als Sightseeing.
Gäste genießen Kuchen und Kaffee im sonnigen Gastgarten in Omas öffentlichem Wohnzimmer in der Vollpension Schleifmühlgasse

Ein Tag im 4. Bezirk zu Fuß

Vom Karlsplatz durch den Naschmarkt bis ins Freihausviertel. Rund drei Kilometer, mehr Grätzel als Sightseeing.

Der 4. Bezirk heißt Wieden, und er ist ein Bezirk mit wenigen großen Namen und vielen kleinen Ecken. Wer nach Wien kommt, hat meistens eine Liste mit Stephansdom, Staatsoper und Schönbrunn. Der 4. Bezirk steht selten drauf. Das ist sein Vorteil.

Wir betreiben hier seit über zehn Jahren unser Café in der Schleifmühlgasse, direkt zwischen Naschmarkt und Karlsplatz. Wir gehen dieses Grätzel jeden Tag, wir kennen die Läden, die Nachbar:innen, und wir wissen, was man sieht, wenn man einfach ohne Plan losgeht.

Das hier ist unsere Route. Ein Tag, rund drei Kilometer, viele Pausen.

Warum ausgerechnet der 4. Bezirk

Der Bezirk ist klein, kaum zwei Quadratkilometer, und liegt gleich hinter der Ringstraße. Er hat keinen Stephansdom, kein Schloss, keine Staatsoper. Was er hat, sind ein Markt, ein Grätzel, ein paar Kirchen und die Ruhe, die entsteht, wenn ein zentraler Bezirk trotzdem Alltag bleibt.

Der Bezirk heißt Wieden nach der ursprünglichen Vorstadt gleichen Namens. Er wurde 1850 eingemeindet, damals lag hier das Palais des Fürsten von Schwarzenberg, das Freihaus mit seinen Höfen, und viele kleine Handwerksbetriebe. Der Naschmarkt am nördlichen Rand ist der bekannteste Markt Wiens, seit dem 18. Jahrhundert.

Vormittag: Karlsplatz

Der Karlsplatz ist der offizielle Startpunkt, und obwohl er verkehrsreich ist, hat er ein paar der schönsten Wiener Bauten dicht beieinander. Wer früh dran ist, hat den Platz fast für sich.

Karlskirche

Die Barockkirche wurde nach der Pest-Epidemie von 1713 gestiftet und von Johann Bernhard Fischer von Erlach entworfen. Die beiden schrägen Säulen vor der Fassade sind nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom gebaut. Wer den Aufzug ins Kuppelinnere nimmt, kommt direkt an die Fresken.

Otto Wagner Stadtbahnpavillons

Direkt am Karlsplatz stehen zwei kleine Pavillons von Otto Wagner aus dem Jahr 1899, gebaut für die damals neue Stadtbahn. Der eine ist heute Café, der andere Ausstellungsraum. Zwei der elegantesten Kleinbauten der Wiener Moderne.

Wien Museum

Ende 2023 nach jahrelanger Renovierung wieder eröffnet. Die Dauerausstellung erzählt die Wiener Stadtgeschichte auf eine Weise, die ohne Vorwissen funktioniert. Wer eine Sache im 4. Bezirk drinnen anschauen sollte, dann diese.

Von hier sind es fünf Gehminuten bis zum Anfang des Naschmarkts.

Am Naschmarkt entlang

Der Naschmarkt liegt entlang der Wienzeile, zwischen 4. und 6. Bezirk, und ist knapp anderthalb Kilometer lang. Am Anfang stehen die klassischen Marktstände: Gemüse, Obst, Käse, Öle, Gewürze aus aller Welt. Weiter hinten wird es touristischer, mit Ständen die auf Verkostungen und schnelles Essen setzen.

Werktags am Vormittag sieht man den Markt, wie er tatsächlich funktioniert. Standler:innen räumen ein, Nachbar:innen kaufen ein, es riecht nach frisch geschnittenem Kraut und nach Kaffee. Am Samstag Vormittag ist es das Gegenteil, dann kommt der Flohmarkt dazu und der Markt platzt aus allen Nähten.

Flohmarkt in der Kettenbrückengasse

Jeden Samstag von etwa 6 bis 16 Uhr am hinteren Ende des Naschmarkts. Wiener Institution. Man findet Möbel, Bücher, alte Fotos, Emailschilder, Werkzeug. Wer früh dran ist, sieht die Händler:innen beim Aufbauen. Wer spät kommt, verhandelt am besten.

Am Naschmarkt kann man essen, wir empfehlen es aber nicht als Hauptmahlzeit. Die guten Marktbetriebe sind kleine Läden mit einer Handvoll Sitzplätzen. Wer sich hinsetzen will, geht drei Minuten weiter in die Schleifmühlgasse.

Mittag: Pause in der Schleifmühlgasse

Unser Generationencafé liegt in der Schleifmühlgasse, mitten im Freihausviertel und fünf Gehminuten vom Naschmarkt entfernt. Bei uns backen unsere Omas und Opas nach ihren eigenen Familienrezepten. Wir sind das Café, in dem sich Wiener:innen mit Reisenden mischen und in dem am Nachbartisch genauso oft Wienerisch wie Englisch gesprochen wird.

Auf der Karte stehen Wiener Mehlspeisen nach Familienrezepten, gebacken von Menschen, die sie ihr Leben lang gebacken haben. Buchteln, Apfelstrudel, Kardinalschnitte. Dazu Frühstück den ganzen Tag.

Schleifmühlgasse 16, 1040 Wien
Täglich 8 bis 20 Uhr · hundefreundlich · Schanigarten in der warmen Jahreszeit · fünf Gehminuten vom Naschmarkt

Zu Stoßzeiten empfehlen wir eine Reservierung.

Nachmittag: das Freihausviertel

Nach dem Kaffee bleibt man am besten in der Nachbarschaft. Das Freihausviertel heißt so, weil hier bis 1913 das Freihaus stand, ein riesiger Wohn- und Handelskomplex, gebaut Ende des 17. Jahrhunderts. Der Baublock ist längst verschwunden, der Name geblieben. Was blieb, ist die Struktur: kleine Gassen, viele Erdgeschosslokale, wenig Verkehr.

Antiquariate und Antiquitätenläden

Die Schleifmühlgasse selbst und die Straßen drumherum sind bekannt für Antiquitäten. Man kann sich stundenlang durch Läden schauen, in denen es Möbel, Uhren, Porzellan, Bilder und Kuriositäten gibt. Es geht nicht ums Kaufen, es geht ums Anschauen. Die meisten Läden lassen sich Zeit mit einem.

Galerien

Im Freihausviertel sitzen mehrere Galerien für zeitgenössische Kunst dicht beieinander. Sie sind klein, die Ausstellungen wechseln oft, und der Eintritt ist immer frei. Wer eine gute Nachmittagsbeschäftigung sucht, geht einfach von einer in die nächste.

Paulanerkirche

Ein paar Straßen weiter, in der Paulanergasse, steht die Paulanerkirche. Barock, klein, oft leer. Der Bezirk wurde nach der Pest-Epidemie von 1683 an den Paulanerorden übergeben, der hier siedelte. Der Name des Ordens ist geblieben, wie so vieles in dieser Nachbarschaft.

Radiokulturhaus des ORF, Argentinierstraße 30a

Das ehemalige Funkhaus des ORF, heute ein Konzert- und Veranstaltungshaus. Es gibt Kammerkonzerte, Lesungen und Diskussionsformate, viele davon abends und mit vergleichsweise günstigen Tickets. Wer weiß, was am Abend läuft, kann seinen Tag hier ausklingen lassen.

Der Umweg zum Belvedere

Wer noch Kraft hat, geht vom Freihausviertel weiter Richtung Osten, über die Prinz-Eugen-Straße hinauf. Das Untere Belvedere liegt am Rand des 4. Bezirks. Der Garten ist frei zugänglich, und selbst wenn man die Ausstellung nicht besucht, lohnt sich der Blick vom Oberen Belvedere über die Stadt.

Vom Belvedere sind es zehn Minuten zu Fuß zurück zum Karlsplatz, oder man nimmt die Straßenbahn D vom Rennweg. Auf halbem Weg liegt das Palais Schwarzenberg, dessen Park für die Öffentlichkeit nicht immer zugänglich ist, aber der Vorplatz mit der Reiterstatue lohnt einen Blick.

Abends: zurück ins Grätzel

Der 4. Bezirk ist ein Bezirk, in dem man am Abend gut essen und trinken kann, weil er tatsächlich bewohnt wird. Zwischen Freihausviertel und Rechter Wienzeile gibt es Weinbars, Kleinstrestaurants und einige der besten Wiener Adressen für Menschen, die keine Touristenrestaurants suchen.

Wir schließen um 20 Uhr, dann übernehmen die anderen. Der Naschmarkt ist am Abend still, die Marktstände sind zu, und man kann die ganze Länge in Ruhe entlanggehen. Für einen letzten Blick auf den Karlsplatz vor der Rückfahrt.

Praktisches

Anreise

U1, U2 und U4 bis Karlsplatz. Straßenbahn 1, 2, D und 71 bis Oper. Zurück am einfachsten mit der U4 ab Kettenbrückengasse oder der Straßenbahn D ab Rennweg.

Beste Zeit

Werktags Vormittag für die entspannte Version. Samstag Vormittag für den Flohmarkt und das volle Naschmarkt-Erlebnis. Sonntag ist der Naschmarkt still, das Freihausviertel weitgehend geschlossen.

Barrierefreiheit

Die Route ist überwiegend flach. Der Naschmarkt und das Freihausviertel sind auf breiten Wegen gut zu befahren. Der Belvedere-Anstieg ist die einzige nennenswerte Steigung und lässt sich umgehen.

Häufige Fragen

Wie lange braucht man für einen Tag im 4. Bezirk zu Fuß?

Die reine Gehzeit dieser Route vom Karlsplatz durch den Naschmarkt bis ins Freihausviertel beträgt etwa eine Stunde bei rund drei Kilometern. Mit Museumsbesuchen, dem Naschmarkt, einer Kaffeepause und Zeit für die Läden im Freihausviertel füllt sie einen ganzen Tag.

Was gibt es im 4. Bezirk abseits vom Naschmarkt zu sehen?

Das Freihausviertel rund um die Schleifmühlgasse ist das eigentliche Herz des Bezirks, mit Galerien, Antiquitätenhandlungen, kleinen Ateliers und Buchhandlungen. Dazu die Paulanerkirche, das Radiokulturhaus des ORF in der Argentinierstraße, das renovierte Wien Museum am Karlsplatz und die Otto Wagner Stadtbahnpavillons. Am östlichen Rand liegen die Belvedere-Gärten.

Wo kann man im 4. Bezirk gut frühstücken oder Kaffee trinken?

Unser Generationencafé in der Schleifmühlgasse 16 liegt fünf Gehminuten vom Naschmarkt entfernt, mitten im Freihausviertel. Es hat täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet, ist hundefreundlich, hat einen Schanigarten und bietet Frühstück den ganzen Tag, Wiener Mehlspeisen nach Familienrezepten.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch am Naschmarkt?

Werktags am Vormittag ist es am ruhigsten und man sieht die Standler:innen bei der Arbeit. Samstag Vormittag findet zusätzlich der Flohmarkt am Kettenbrückengassen-Ende statt, dann ist es voll und laut. Am Montag sind viele Marktstände geschlossen, das ist der einzige Tag, an dem sich ein Naschmarkt-Besuch weniger lohnt.

Ist der 4. Bezirk hundefreundlich?

Ja. Der Bezirk ist entspannter unterwegs als die Innenstadt, viele Cafés und Restaurants nehmen Hunde. Unsere Vollpension in der Schleifmühlgasse ist explizit hundefreundlich, es gibt Wasser und einen ruhigen Schanigarten. Der Belvedere-Garten am östlichen Bezirksrand ist für Hunde geöffnet.

Braucht man für die Vollpension in der Schleifmühlgasse eine Reservierung?

Spontan vorbeikommen ist jederzeit möglich. Zu Stoßzeiten am Wochenende, rund um die Mittagszeit und für den Schanigarten in der warmen Jahreszeit empfehlen wir eine Reservierung über unsere Website.