Wiener Kaffeehaus-Etikette für Erstbesucher:innen

Was man wissen sollte, bevor man zum ersten Mal in einem echten Wiener Kaffeehaus sitzt.
Senior-Mitarbeiterin Frau Marianne serviert im Generationencafé Vollpension in Wien

Wiener Kaffeehaus-Etikette für Erstbesucher:innen

Was man wissen sollte, bevor man zum ersten Mal in einem echten Wiener Kaffeehaus sitzt.

Das Wiener Kaffeehaus hat eigene Regeln. Keine geschriebenen, keine ausgehängten. Aber Regeln, die jede:r kennt der hier aufgewachsen ist, und die man als Erstbesucher:in manchmal schmerzhaft lernt.

 

Wir erklären sie euch. Nicht um euch einzuschüchtern, sondern damit ihr das Erlebnis bekommt das es sein soll: einen Nachmittag der sich anfühlt als hätte man Zeit. Denn darum geht es beim Wiener Kaffeehaus letztendlich.

 

Und wer nach all den Regeln lieber entspannt eintreten und herzlich empfangen werden will: wir in der Vollpension sind eine gute erste Adresse. Kein Grant, keine Codes. Nur Kuchen und echte Gespräche.

Wer die passenden Wiener Mehlspeisen zur Melange kennenlernen möchte: Wiener Mehlspeisen und ihre Geschichten

Die ungeschriebenen Regeln

Einige davon sind Freiheiten. Einige sind Pflichten. Alle sind es wert zu kennen.

1. Man darf sitzen.

Das Wiener Kaffeehaus wurde nie als Ort zum schnellen Konsumieren gedacht. Wer eine Melange bestellt, hat damit das Recht erworben eine Weile zu bleiben, nicht nur die Zeit die man zum Trinken braucht.

 

In Reservierungszeitfenstern gilt das mit Rücksicht: viele Kaffeehäuser, auch wir bei der Vollpension, arbeiten mit fixen Zeitslots und Folgereservierungen.

2. Mit dem richtigen Namen bestellen.

Das ist der häufigste Fehler. „Einen Kaffee bitte” ist keine Bestellung, sondern eine Rückfrage. Das Wiener Kaffeehaus hat Dutzende Kaffeespezialitäten, und jede hat einen Namen. Die wichtigsten:

 

Melange: verlängerter Mokka mit warmer Milch und feiner Schaumkrone. Der Klassiker. Milder als ein Cappuccino.

Einspänner: kleiner schwarzer Mokka im Glas, mit Schlagobers. Kommt immer mit Deckel aus Schlagobers, den man nicht umrührt.

Verlängerter: ein mit mehr Wasser aufgegossener Espresso. Schwächer, aber nicht weniger ernst.

Brauner: Mokka mit einem Schuss Milch. Kurz, kräftig, ohne viel Aufhebens.

 

Alle Varianten und ihre Geschichte erklärt unser Guide zu Wiener Kaffeespezialitäten.

3. Das Glas Wasser kommt automatisch.

Zur Melange, zum Braunen, zum Einspänner: das Glas Leitungswasser kommt ungefragt mit und kostet (in der Regel) nichts extra.

4. Die Zeitung auf dem Stöckerl.

Viele klassische Wiener Kaffeehäuser bieten Tageszeitungen auf langen Holzstäben an, den sogenannten Zeitungsstöckerln. Man nimmt sich eine, liest, legt sie zurück.

 

Wer das Kaffeehaus als Arbeitsort nutzt: Laptop ist in den meisten Häusern toleriert, manche bieten gewisse Zeitfenster oder Tische dafür an. Aber man sollte zumindest ein Getränk bestellen und nicht vier Stunden auf einem Espresso sitzen.

5. Den Grant nicht persönlich nehmen.

Der stereotype Wiener Kellner hat einen Ruf: mürrisch, knapp, wenig charmant. Das stimmt manchmal. Es ist aber keine Unhöflichkeit sondern eine lokale Eigenart: eine gewisse würdevolle Distanz die zum Kaffeehaus gehört wie das Glas Wasser zur Melange.

6. Trinkgeld gibt man beim Bezahlen direkt.

Wenn der Kellner oder die Kellnerin die Rechnung bringt, nennt man einen runden Betrag.

 

Übliche Trinkgeldhöhe: 10 bis 15 Prozent, oder einfach aufrunden auf den nächsten vollen Betrag.

Keine Lust auf Codes? Einfach zu uns.

Wir mögen das klassische Kaffeehaus. Wir verstehen den Grant. Aber wir machen es etwas anders.

Vollpension — das Generationencafé

Johannesgasse 4A, 1010 Wien · Mo–So 08:00–18:00 · Schleifmühlgasse 16, 1040 Wien · Mo–So 08:00–20:00

Bei uns gibt es keinen Grant. Unsere Omas und Opas begrüßen Gäste:innen herzlich, erklären was gerade frisch aus dem Ofen kommt und nehmen sich Zeit für ein Gespräch. Die Mehlspeisen sind nach echten Familienrezepten gebacken, sichtbar in der offenen Backstube. Als preisgekröntes Social Business und Neuinterpretation des Wiener Kaffeehauses verbinden wir die besten Werte der Tradition mit echter Wärme. Kein Museum, sondern ein lebendiger Ort.

Die Regeln des Wiener Kaffeehauses sind schön. Aber manchmal braucht man einfach einen Ort wo man eintritt und sofort willkommen ist.

Häufige Fragen zur Kaffeehaus-Etikette

Was darf man im Wiener Kaffeehaus?

Im Wiener Kaffeehaus darf man lange sitzen. Man darf Zeitung lesen, arbeiten, schweigen oder stundenlang reden.

Wie bestellt man eine Melange im Wiener Kaffeehaus?

Eine Melange bestellt man mit dem richtigen Namen: „Eine Melange, bitte.” Nicht „einen Milchkaffee” und nicht einfach „einen Kaffee”. Die Melange besteht aus einem verlängerten Mokka mit warmer Milch und einer feinen Schaumkrone.

Was ist mit dem Grant des Wiener Kellners gemeint?

Der „Grant” des Wiener Kellners ist keine Unhöflichkeit, sondern eine lokale Eigenart und nicht immer Stand der Dinge: eine gewisse mürrische Würde im Service die zur Wiener Kaffeehausatmosphäre gehört. Man sollte ihn nicht persönlich nehmen.

Wie gibt man Trinkgeld im Wiener Kaffeehaus?

Trinkgeld gibt man beim Bezahlen direkt, indem man einen runden Betrag nennt: „Machen’s fünfzig” bedeutet man rundet auf. Üblich sind 10 bis 15 Prozent.

Kommt das Glas Wasser zur Melange automatisch?

Ja. Das Glas Wasser kommt automatisch und ohne extra Bestellung. Das ist Teil der Wiener Kaffeehauskultur und kostet (in der Regel) nichts extra.

Kaffeehauskultur ohne Codes erleben

Täglich ab 08:00 Uhr. Johannesgasse 4A im 1. Bezirk, Schleifmühlgasse 16 im 4. Bezirk.

Tisch reservieren