Wiener Frühstück: was auf den Tisch gehört und woher es kommt

Eine Semmel, ein Ei, ein bisschen Butter und ein Kaffee. Klingt einfach. Ist es nicht.
Frisches Schnittlauchbrot mit weichem Ei im Generationencafé Vollpension Wien: Traditionelles Wiener Frühstück und Modern Viennese Experience.

Wiener Frühstück: was auf den Tisch gehört und woher es kommt

Eine Semmel, ein Ei, ein bisschen Butter und ein Kaffee. Klingt einfach. Ist es nicht.

Bei uns in der Vollpension frühstücken jeden Tag Menschen aus allen möglichen Ecken der Welt. Und wir kennen die Fragen mittlerweile auswendig. Was ist eine Semmel? Warum schaut die so aus? Was ist der Unterschied zwischen einer Melange und einem Verlängerten?

 

Wir beantworten das gern. Nicht nur, weil es zu unserem Alltag gehört, sondern weil ein Wiener Frühstück tatsächlich mehr ist als die Summe seiner Zutaten. Es ist eine kleine Kulturgeschichte, die auf einen Teller passt. Hier ist unsere Version, was dazugehört und warum.

Die Bestandteile

Ein klassisches Wiener Frühstück braucht wenige, aber sehr genaue Elemente.

Die Kaisersemmel

Ohne Kaisersemmel kein Wiener Frühstück. Punkt. Die sternförmig eingeschnittene Semmel ist das ikonische Frühstücksgebäck der Stadt und schon am Hofe Maria Theresias im 18. Jahrhundert auf den Tisch gekommen. Wer’s nicht glaubt: auf einem Gemälde des Hofmalers Martin van Meytens aus der Zeit um 1760 kann man sie deutlich sehen. Das Bild hängt heute in Schönbrunn.

 

Ihren großen internationalen Auftritt hatte die Kaisersemmel übrigens 1867 auf der Pariser Weltausstellung, wo sie mit Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit dem Thonet-Stuhl Nr. 14. Zwei Wiener Klassiker, ein Jahr, zweimal Gold. Nicht schlecht.

Butter und Marillen-Marmelade

Zur Semmel gehört Butter und Marmelade. Was in Wien fast immer Marille bedeutet. Die Marille, in Deutschland Aprikose genannt, ist eng mit der Wachau verbunden und gilt bei uns als die klassische Marmeladen-Frucht. Sie steckt auch in der Sachertorte, sie bildet die Marillen-Knödel im Sommer, sie ist die Grundlage von unzähligen Wiener Mehlspeisen.

Das weiche Ei

Das Ei zum Wiener Frühstück ist ein weiches Ei im Eierbecher. Das weiche Ei wird mit einem Löffel gegessen, klassisch mit einem kleinen Salzstreuer bestreut und aus der Schale gelöffelt. Das Öffnen wird zum kleinen Ritual. Manche schlagen den oberen Teil ab, andere trennen ihn mit dem Messer sauber weg. Beides ist richtig.

Das Kipferl

Neben der Semmel taucht oft das Kipferl auf, ein halbmondförmiges Weißgebäck. Und weil das eine unserer Lieblingsgeschichten ist: das Kipferl ist der Vorfahre des französischen Croissants. Die Legende erzählt, dass Wiener Bäcker das Kipferl im 17. Jahrhundert zur Erinnerung an die Türkenbelagerung erfanden, mit der Halbmond-Form als Anspielung auf das osmanische Symbol.

 

Historisch ist das umstritten, halbmondförmiges Gebäck gab es in Wien schon vorher. Sicher ist aber: Marie Antoinette, geborene Habsburgerin, hat das Kipferl nach ihrer Heirat mit dem französischen König nach Paris mitgenommen. Und dort ist im 19. Jahrhundert das Croissant daraus geworden. Also, mit anderen Worten: wenn ihr in Paris ein Croissant esst, esst ihr im Grunde ein Wiener Frühstücksgebäck. Nur mit besserer PR.

Der Kaffee

Ohne Kaffee kein Wiener Frühstück. Die klassische Bestellung ist die Melange: ein Espresso mit heißer Milch und Milchschaum, serviert in einer großen Tasse. Alternativen sind der Verlängerte, ein mit heißem Wasser aufgegossener Espresso.

 

Wenn ihr die einzelnen Wiener Kaffeespezialitäten unterscheiden lernen wollt, findet ihr sie im Detail in unserem Kaffeehaus-Guide.

Was noch dazugehören kann

Nicht muss, aber gerne.

Aufschnitt: Wurst und Käse sind in vielen Kaffeehäusern Teil des Frühstücks. Beinschinken, Extrawurst, Salami, dazu Bergkäse oder Emmentaler.

 

Honig: Neben Marille wird gerne Honig zur Auswahl gestellt. In Wien häufig aus regionaler Imkerei.

 

Frisch gepresster Orangensaft: Seit den 1990ern fester Bestandteil des Wiener Frühstücksrepertoires.

 

Radieschen und Gurken: Ein bisschen Beilagen-Gemüse taucht in manchen Häusern auf und ist eine sehr wienerische Ergänzung zum Frühstückstisch.

Wie sich das Wiener Frühstück unterscheidet

Ein klassisches Wiener Frühstück braucht wenige, aber sehr genaue Elemente.

Vom deutschen Frühstück

Deutsche Frühstücke sind oft üppiger: viele Brotsorten, viel Aufschnitt, Müsli, Joghurt, Eier in vielen Varianten. Das Wiener Frühstück ist reduzierter. Weniger Elemente, aber jedes davon ganz genau definiert.

Vom französischen Frühstück

Das französische Frühstück besteht meistens aus einem Croissant oder Baguette mit Butter und Marmelade, dazu Café au lait. Kein Ei, kein Aufschnitt. Bei uns in Wien ist es herzhafter. Was schon deswegen komisch ist, weil ja das Croissant wie erwähnt eigentlich ein Wiener Frühstücksgebäck ist. Die Franzosen haben uns nur nicht dazugesagt.

Vom englischen Frühstück

Das Full English Breakfast ist warm und schwer: Speck, Würstchen, Bohnen, gebratene Tomate, Ei, Toast. Bei uns ist das Frühstück leichter, kälter und um die Semmel und den Kaffee herum organisiert, nicht um den Bratensatz.

Wo ihr in Wien frühstücken könnt

Ein klassisches Wiener Frühstück braucht wenige, aber sehr genaue Elemente.

Wiener Frühstück gibt es in den klassischen Kaffeehäusern der Stadt, in modernen Generationencafés wie unserem und in vielen Beisln. Bei uns in der Vollpension servieren wir es klassisch als Wiener Frühstückerl: Butter, Marmelade und frisches Gebäck. Wer mehr will, findet auch Aufschnitt und frischen Orangensaft bei uns.

 

Als preisgekröntes Generationencafé und Social Business sind wir eine Neuinterpretation des Wiener Kaffeehauses. Weitere Infos zu unserem Frühstücksangebot findet ihr auf unserer Frühstück-Seite. In der Johannesgasse 4A im 1. Bezirk sind wir täglich von 08:00 bis 18:00 offen, in der Schleifmühlgasse 16 im 4. Bezirk von 08:00 bis 20:00. Wir gfrein uns.

Ein Wiener Frühstück ist keine Zutatenliste. Es ist die kürzeste Einführung in die Wiener Kultur, die es gibt.

Häufige Fragen zum Wiener Frühstück

Was gehört zu einem klassischen Wiener Frühstück?

Zu einem klassischen Wiener Frühstück gehören eine frische Kaisersemmel, Butter, Marillen-Marmelade, ein weiches Ei, oft auch Aufschnitt und Käse, und dazu eine Melange oder Verlängerter. In vielen Kaffeehäusern wird zusätzlich ein Kipferl serviert.

Warum heißt die Kaisersemmel Kaisersemmel?

Die verbreitetste Version: 1789 sandte die Wiener Bäckerinnung eine Abordnung zu Kaiser Joseph II., um freie Preisgestaltung für Semmeln zu erbitten. Der Kaiser war von der Backkunst so angetan, dass er zustimmte, und die Semmeln wurden fortan Kaisersemmeln genannt.

Was ist ein Gabelfrühstück?

Das Gabelfrühstück war ursprünglich eine Wiener Zwischenmahlzeit zwischen Frühstück und Mittagessen, meist zwischen 11 und 12 Uhr. Es bestand aus kleinen warmen Speisen wie Würsteln, Gulasch oder Eierspeise, die mit einer Gabel gegessen wurden.

Wo bekommt man in Wien ein authentisches Wiener Frühstück?

Authentisches Wiener Frühstück gibt es in klassischen Wiener Kaffeehäusern, in Generationencafés wie der Vollpension und in Beisln. In beiden Vollpension-Standorten wird täglich frisch serviert: Johannesgasse 4A im 1. Bezirk und Schleifmühlgasse 16 im 4. Bezirk.

Wiener Frühstück in der Vollpension

Zwei Standorte, täglich ab 08:00.