Die Kaisersemmel
Ohne Kaisersemmel kein Wiener Frühstück. Punkt. Die sternförmig eingeschnittene Semmel ist das ikonische Frühstücksgebäck der Stadt und schon am Hofe Maria Theresias im 18. Jahrhundert auf den Tisch gekommen. Wer’s nicht glaubt: auf einem Gemälde des Hofmalers Martin van Meytens aus der Zeit um 1760 kann man sie deutlich sehen. Das Bild hängt heute in Schönbrunn.
Ihren großen internationalen Auftritt hatte die Kaisersemmel übrigens 1867 auf der Pariser Weltausstellung, wo sie mit Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit dem Thonet-Stuhl Nr. 14. Zwei Wiener Klassiker, ein Jahr, zweimal Gold. Nicht schlecht.
Butter und Marillen-Marmelade
Zur Semmel gehört Butter und Marmelade. Was in Wien fast immer Marille bedeutet. Die Marille, in Deutschland Aprikose genannt, ist eng mit der Wachau verbunden und gilt bei uns als die klassische Marmeladen-Frucht. Sie steckt auch in der Sachertorte, sie bildet die Marillen-Knödel im Sommer, sie ist die Grundlage von unzähligen Wiener Mehlspeisen.
Das weiche Ei
Das Ei zum Wiener Frühstück ist ein weiches Ei im Eierbecher. Das weiche Ei wird mit einem Löffel gegessen, klassisch mit einem kleinen Salzstreuer bestreut und aus der Schale gelöffelt. Das Öffnen wird zum kleinen Ritual. Manche schlagen den oberen Teil ab, andere trennen ihn mit dem Messer sauber weg. Beides ist richtig.
Das Kipferl
Neben der Semmel taucht oft das Kipferl auf, ein halbmondförmiges Weißgebäck. Und weil das eine unserer Lieblingsgeschichten ist: das Kipferl ist der Vorfahre des französischen Croissants. Die Legende erzählt, dass Wiener Bäcker das Kipferl im 17. Jahrhundert zur Erinnerung an die Türkenbelagerung erfanden, mit der Halbmond-Form als Anspielung auf das osmanische Symbol.
Historisch ist das umstritten, halbmondförmiges Gebäck gab es in Wien schon vorher. Sicher ist aber: Marie Antoinette, geborene Habsburgerin, hat das Kipferl nach ihrer Heirat mit dem französischen König nach Paris mitgenommen. Und dort ist im 19. Jahrhundert das Croissant daraus geworden. Also, mit anderen Worten: wenn ihr in Paris ein Croissant esst, esst ihr im Grunde ein Wiener Frühstücksgebäck. Nur mit besserer PR.
Der Kaffee
Ohne Kaffee kein Wiener Frühstück. Die klassische Bestellung ist die Melange: ein Espresso mit heißer Milch und Milchschaum, serviert in einer großen Tasse. Alternativen sind der Verlängerte, ein mit heißem Wasser aufgegossener Espresso.
Wenn ihr die einzelnen Wiener Kaffeespezialitäten unterscheiden lernen wollt, findet ihr sie im Detail in unserem Kaffeehaus-Guide.
Was noch dazugehören kann
Nicht muss, aber gerne.
Aufschnitt: Wurst und Käse sind in vielen Kaffeehäusern Teil des Frühstücks. Beinschinken, Extrawurst, Salami, dazu Bergkäse oder Emmentaler.
Honig: Neben Marille wird gerne Honig zur Auswahl gestellt. In Wien häufig aus regionaler Imkerei.
Frisch gepresster Orangensaft: Seit den 1990ern fester Bestandteil des Wiener Frühstücksrepertoires.
Radieschen und Gurken: Ein bisschen Beilagen-Gemüse taucht in manchen Häusern auf und ist eine sehr wienerische Ergänzung zum Frühstückstisch.