Der Equal Pension Day markiert jedes Jahr den Tag, an dem Männer in Österreich bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen erst bis Jahresende bekommen werden. 2026 fällt dieser Tag auf den 9. August. Der Unterschied ist deutlich: Frauen erhalten im Schnitt 1.614 Euro Pension im Monat, Männer 2.664 Euro. Das ist eine Lücke von 39,4 Prozent, mehr als 1.000 Euro pro Monat. Österreich hat damit die zweitgrößte Pensionslücke Europas.
Wir wollten wissen, wie die Menschen im Land dazu stehen. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut marketagent 1.000 Personen österreichweit repräsentativ befragt. Die Ergebnisse zeigen uns: Unsere Arbeit ist noch lange nicht überflüssig. Und sie sind heuer so aktuell wie am ersten Tag, denn die Lücke ist seither nicht kleiner geworden.
Die Angst vor der eigenen Pension ist groß
78 Prozent der unter 60-Jährigen fürchten finanzielle Engpässe in der Pension. Bei den weiblichen Befragten sind es sogar 86 Prozent. Das sind erschütternde Zahlen. Sie zeigen, dass die Angst vor Altersarmut in weiten Teilen der Bevölkerung angekommen ist, lange bevor die Pension überhaupt beginnt.
74 Prozent erkennen den Gender Pension Gap und schätzen Frauen als stärker davon betroffen ein. Diese Wahrnehmung ist realistisch. Frauen tragen die Hauptlast der unbezahlten Care-Arbeit, sie arbeiten häufiger in Teilzeit, sie sind in schlechter bezahlten Branchen überrepräsentiert. All das schlägt sich in der Pension nieder. Die Folge: Mehr als jede vierte alleinlebende Pensionistin in Österreich ist armutsgefährdet.
Systemfehler, kein Frauenproblem
Wir tun oft so, als wären Teilzeit oder unbezahlte Care-Arbeit freiwillige Entscheidungen von Frauen. Doch solange es nicht ausreichend Kinderbetreuung gibt, Frauen den Großteil der Angehörigenpflege übernehmen und sich beim Gender Pay Gap kaum etwas bewegt, ist das kein Frauenproblem, sondern ein Systemfehler.
Die Studie bestätigt diese Sicht. 71,9 Prozent der Befragten nennen die unbezahlte Care-Arbeit als Hauptursache für den Pensionsunterschied. 71,2 Prozent sehen die Teilzeitbeschäftigung als Ursache. 61 Prozent nennen die schlechtere Bezahlung in frauendominierten Branchen.
Was hilft konkret?
Wir haben auch gefragt, welche Maßnahmen die Menschen für wirksam halten. 38,5 Prozent sehen in einer Anhebung der steuerfreien Zuverdienstgrenze bei der Mindestpension ein wirksames Mittel. 23,9 Prozent nennen Arbeit im Alter als möglichen Lösungsansatz. Pensionssplitting wird von 10 Prozent als wirksam eingeschätzt.
Vor allem die Zuverdienstgrenze ist ein Punkt, den wir aus unserer eigenen Erfahrung bestätigen können. Sie liegt bei 551,10 Euro im Monat und wurde für 2026 trotz Teuerung nicht einmal erhöht. Wer als Mindestpensionist:in mehr verdient, riskiert Abzüge. Für viele unserer Senior:innen ist das eine Grenze, die eine reguläre Anstellung finanziell unattraktiv macht.
Was wir bei der Vollpension konkret tun
Seit 2012 arbeiten wir daran, Teil der Lösung zu sein. In über 10 Jahren konnten wir 2,3 Millionen Euro an Zuverdienst an Senior:innen auszahlen. Für die rund 55 Senior:innen, die aktuell in unseren beiden Wiener Cafés arbeiten, macht das einen spürbaren Unterschied.
Aber Geld ist nur ein Teil der Wirkung. Gleichzeitig ist es uns gelungen, einen wertschätzenden Ort für Senior:innen und gelebtes Generationenmiteinander zu schaffen, mit dauerhaften Arbeitsplätzen statt Beschäftigungstherapie. Doch wir können längst nicht alle aufnehmen, die einen Zuverdienst suchen.
Was jetzt passieren müsste
Aus unserer Sicht braucht es drei Dinge. Erstens: deutlich mehr Jobmöglichkeiten für ältere Menschen. Zweitens: eine Anhebung der Zuverdienstgrenze bei Mindestpensionen, und zwar bei jenen, die es wirklich brauchen. Drittens: endlich spürbare Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap, der die Basis für den Gender Pension Gap ist.
Bis das systemisch angegangen wird, machen wir weiter, was wir tun. Wir sind ein preisgekröntes Wiener Sozialunternehmen. Wir wirken gegen Einsamkeit und Isolation im Alter. Und wir zeigen, dass Wertschätzung und Anerkennung für Senior:innen kein Extra sind, sondern eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Am liebsten bei Kaffee und einem Stück Kuchen.